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West Virginia: wild und wundervoll
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    West Virginia

Als Kind habe ich mehrere Jahre im Heimatstaat meiner Mutter verbracht. West Virginia ist ein faszinierender, komplexer Ort.

Einige unserer Nachbarn betrachteten West Virginia als den nördlichsten Südstaatenstaat, andere als den südlichsten Nordstaatenstaat. Unsere weiter östlich lebenden Verwandten taten so, als würden sie eigentlich zum angrenzenden Virginia gehören, während sich meine Cousins am Ohio River als Einwohner des Mittleren Westens sahen. In einem waren sich aber alle einig: West Virginia ist stolz, eigenwillig, unabhängig und einzigartig. Im Jahr 2015, 152 Jahre nach Gründung des einzigen Bundesstaats, der aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg hervorgegangen ist, brach ich zu einer nostalgischen Reise auf, die mich an die Plätze meiner Kindheit und zu völlig neuen Orten führte.

Erster Halt in Wheeling

Erste Station war Wheeling, die erste Hauptstadt des Bundesstaats und der Ort, an dem West Virginia am 20. Juni 1863 offiziell eigenständig wurde. Wie ich erfuhr, hatte sich unter den Einwohnern im westlichen Virginia schon einige Jahre vor Ausbruch des Bürgerkriegs Unruhe breitgemacht. Sie waren durch die Appalachen und die Blue Ridge Mountains weitgehend vom restlichen Virginia abgeschnitten und fühlten sich entsprechend isoliert und von ihrer Regierung im weit entfernten Richmond ignoriert. Als ihr Mutterstaat sich von der Union lossagte und den Konföderierten Staaten von Amerika beitrat, beschlossen die Einwohner, dass es an der Zeit war, sich von Virginia abzuspalten, und gründeten 1863 den 35. US-Bundesstaat West Virginia.

Dann stattete ich auch gleich noch dem ansehnlichen Oglebay Resort einen Besuch ab. Das anmutige Herrenhaus aus dem Jahr 1846 befindet sich auf einem fast 700 ha großen Park- und Gartengelände in Stadtbesitz und umfasst einen 36-Loch-Golfplatz, Seen zum Angeln und Bootfahren, Gäste-Cottages, ein Wellness-Center und ein Museum. Als Kontrastprogramm fuhren wir als nächstes über die Hängebrücke, unter der der Ohio River durchfließt und die Tausende Pioniere im 19. Jahrhundert auf ihrem Weg gen Westen überquerten.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hängebrücke von Wheeling, West Virginia, überspannt den Ohio River.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Hängebrücke von Wheeling, West Virginia, überspannt den Ohio River.
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jcsullivan/Flickr

Eine goldene Kuppel und Freizeitattraktionen am Fluss

Anschließend fuhren wir nach Südosten in die zentraler gelegene, heutige Hauptstadt des Bundesstaats. Die flache Skyline von Charleston wird von der 89 m hohen (und mit 23 ½-karätigem Gold überzogenen!) Kuppel des State Capitol dominiert. Auf der Terrasse des malerischen Capitol Market stärkten wir uns bei Getränken und Snacks und erkundeten dann das Speise- und Weinangebot im Inneren der Markthallen.

Ausländischen Besuchern ist vor allem die Gegend südöstlich und nordöstlich von Charleston ein Begriff. Den Potomac Highlands mit dem fast 1.500 m hohen Spruce Knob verdankt West Virginia seinen Spitznamen „The Mountain State“. Neben zahlreichen beliebten Skigebieten, malerischen State Parks und Wasserfällen ist die Bergregion auch für die gewundenen Straßen bekannt, die John Denver zu seinem Song Take Me Home, Country Roads inspiriert haben – eine der offiziellen Hymnen des Bundesstaats.

Fayetteville, südöstlich von Charleston, ist das Tor zur spektakulären (und übrigens mindestens 65 Millionen Jahre alten) New River Gorge und das ideale Standquartier für Angel- und Rafting-Freunde. Die Schlucht weist auf einer Länge von nur etwa 80 km ein Gefälle von fast 230 Höhenmetern auf und ist ein Mekka für Wildwasser-Rafter. Verschiedene Ausstatter am Fluss bieten Übernachtungs-, Verpflegungs- und Ausrüstungsoptionen.

Die Skyline von Charleston wird von der goldenen Kuppel des State Capitol dominiert.

Die Skyline von Charleston wird von der goldenen Kuppel des State Capitol dominiert.
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West Virginia Division of Tourism
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Kohlebergwerk und elegantes Resort

Weiter südlich führt die quer durch den Bundesstaat verlaufende Interstate 64 nach Beckley. Im Tamarack Center können Besucher die unterschiedlichsten Kunst- und Kunsthandwerksgegenstände aus West Virginia begutachten und erwerben und dann in der Beckley Exhibition Coal Mine im Kohlewagen 450 m unter Tage fahren. Einige Kilometer weiter folgt das hübsche Örtchen Lewisburg aus dem 18. Jahrhundert. Die von schattigen Bäumen flankierten Straßen sind mit verlockenden Kunstgalerien und Antiquitätenläden gesäumt und führen zu einer Konzerthalle, die 1902 vom Philanthropen Andrew Carnegie errichtet wurde. Dann ist White Sulphur Springs mit dem weltberühmten, 2.630 ha großen Greenbrier Hotel erreicht.

Seit dem späten 18. Jahrhundert hat das Greenbrier US-Präsidenten, Filmstars sowie den Duke und die Duchess of Windsor zu seinen illustren Gästen gezählt. Besucher können auf einem der legendären Golfplätze den Schläger schwingen, eines der eleganten Restaurants aufsuchen und dann als Kontrastprogramm den ehemals streng geheim gehaltenen unterirdischen Bunker aus dem Kalten Krieg besichtigen, in dem die US-Regierung bei einem eventuellen Atomangriff Schutz finden sollte.

Weiter nördlich liegt der ehemalige Holzfällerort Cass, wo wir mit der Panoramabahn einen faszinierenden Ausflug auf den Gipfel des Bald Knob unternahmen. In dieser erstklassigen Wintersportregion locken die familienfreundlichen Skigebiete Snowshoe und Canaan Valley mit ausgezeichneten Abfahrten und luxuriösen Unterkünften. In der ehemaligen Bergbaugemeinde Davis gibt es ein B&B, das direkt vom Filmset für einen Western zu stammen scheint.

Ganz im Osten, eingebettet zwischen Maryland und Virginia, liegt die in Anspielung auf ihre Form eines Pfannengriffs benannte Region „Eastern Panhandle“. Im Badeort Berkeley Springs (auch bekannt als Bath) aus dem 18. Jahrhundert folgten wir dem Beispiel von George Washington, dem ersten Präsidenten der USA, und gönnten uns ein Bad im sprudelnden Thermalwasser des 1815 errichteten Roman Bath House.

Nicht weit entfernt liegt das 1762 gegründete Shepherdstown, eine der zwei ältesten Ortschaften in West Virginia, in der es charmante alte Häuser, einladende Geschäfte und gute Restaurants zu entdecken gibt. Außerdem fand hier auf dem Potomac River die erste Testfahrt eines Dampfschiffs statt und Shepherdstown ist auch der Ort, der dem Schauplatz der berühmten Schlacht am Antietam (Maryland) aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg am nächsten liegt.

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Harpers Ferry

Der international bekannteste Ort in West Virginia dürfte aber Harpers Ferry sein. Die winzige Ortschaft am berühmten Appalachian Trail liegt idyllisch in einem Tal, in dem der Shenandoah River auf den Potomac River trifft. Hier soll der Legende nach in der Nacht vom 16. Oktober 1859 der eigentliche Auftakt zum Bürgerkrieg stattgefunden haben, als der Sklavereigegner John Brown mit seinen Anhängern das Waffenlager im Ort plünderte, um die Sklaven für einen Aufstand zu bewaffnen. Er wurde gefasst, verurteilt und im nahen Charles Town hingerichtet. Die Geschichte nahm ihren Lauf und führte unter anderem zur Gründung des Bundesstaats West Virginia.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Winterausgabe 2013 der Zeitschrift „Essentially America“.

Im beschaulichen Harpers Ferry an der Mündung von Potomac und Shenandoah scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Im beschaulichen Harpers Ferry an der Mündung von Potomac und Shenandoah scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
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David Fattaleh/West Virginia Division of Tourism
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